Rollenspiel: Die symbolische Maske

Ein Aspekt, den ich bei Toscani (siehe Quellen, S. 223-225) bisher immer überlesen hatte: Ganz zum Ende der Zeit, in der die Venezianer sich der Bauta-und-Tabarro-Verkleidung bedienten, änderte sich der Gebrauch. Erst wurde der Ausschnitt für die Augen wurde immer größer, dann wurde die Maske immer kürzer. Irgendann konnte sie den ursprünglichen Zweck, den Träger unkenntlich zu machen, nicht mehr erfüllen.

Schließlich, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, gingen die Venezianer sogar noch einen Schritt weiter: Sie klemmten die Bauta in die Falte des Dreispitz oder schoben sie zwischen Schläfe und Hut. Am Ende zeigten sie nur noch durch eine weiße Spielkarte an, dass sie als „maskiert“ zu gelten hatten.

Und genau das wurde dennoch respektiert. Die Übernahme der Rolle, der Übergang in ein „zweites Leben“, fand symbolisch statt, und die anderen Venezianer spielten das durchaus ästhetische Spiel eines fließenden Wechsels zwischen zwei sozialen Existenzformen mit.

Für die hier diskutierte Phase, in der Bauta und Tabarro echte Anonymisierungsmittel waren, ist die Zeit der „symbolischen Maskierung“ nicht mehr so interessant. Sie zeigt aber, wie stark und wichtig in diesem Modell der Rollenspiel-Aspekt immer gewesen sein muss.

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