Rollenspiel: Maskierte Helden

Auf den „Gentleman-Faktor“ der Bauta-und-Tabarro-Maske habe ich auf dieser Website schon mehrfach verwiesen: Er stellte einen regulativen Faktor dar, weil er den Maskenträger dazu anhielt, sich gemäß den Erwartungen der Gesellschaft besonders sozialverträglich und sogar vorbildlich zu verhalten.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die „maskierten Helden“, von denen die Literatur-, Theater- und Filmgeschichte so einige kennt.

Zorro passt besonders gut in dieses Bild. Hier trifft die Maske auf das gesamte Spektrum der Mantel-und-Degen-Galanterie, der Maskierte ist ein echter Edelmann im Gegensatz zu seinen Gegenspielern. In der Filminterpretation von 1998 mit Antony Hopkins und Antonio Banderas wird dies sogar explizit thematisiert: Wer die Rolle des Zorro übernehmen will, muss zuerst höfliches und galantes Verhalten lernen, vom richtigen Duell bis zum Benehmen bei Tisch und zum Tanz. Bei Superman und Spiderman ist das Element weniger deutlich, aber doch vorhanden.

Bei Ironman verwandelt sich die Maske in ein technisches Hilfsmittel, das die Verwandlung des Helden erst möglich macht – eine schöne Form der Ingenieurphantasie: Das „Gute“ entsteht aus dem technisch Machbaren, wenn nur ein wenig positive Intention hinzukommt.

Noch interessanter sind vielleicht die maskieren Helden, die in dieses Schema passen, aber eine gewisse Ambivalenz in ihren Handlungsmotiven zeigen: Eher einfach gestrickt sind in dieser Hinsichrt noch Batman und Catwoman, weit vielschichtiger dann das „Phantom der Oper“ und vor allem „V“ aus „V wie Vendetta„, der so wichtig wurde für die Anonymous-Bewegung. Bei „V“ referenzieren sowohl der Comic als auch der Film das gesamte Galanterie- und Mantel-Degen-Repertoire bereits in den ersten Szenen, allerdings ist es hier reines Schauspiel des Helden und grenzt ihn nicht mehr seinen Handlungsspielraum ein. Oder vielleicht doch?

Spannend zu wissen wäre, ob der „maskierte Held“ einen mythologischen Hintergrund hat – für die Superhelden an sich gibt es ihn ja. Vielleicht steht das Motiv des „maskierten Helden“ ja bereits für einen modernen Mythos?

Anmerkung 15.05.2014: Siehe herzu auch die späteren Beiträge Burka Avenger und Lone Ranger.

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