Randbemerkungen aus Nizza

Eine Woche in Nizza, vom 24.10.2013 bis zum 31.10.2013, als Besucher des PCI DSS Community Meetings, einer Spezialkonferenz, die sich um den Schutz von Kreditkartendaten in den Netzen von Banken und Unternehmen der Finanzbranche kümmert. Wie immer gibt es auch Sponsoren: Das Unternehmen Firehost verteilt an die Teilnehmer Kartenspiele als Geschenk. Der Joker darin ist ein Hacker.

HackerJoker

Sein Bild spiegelt ein allzu bekanntes Klischee: Der Böse verbirgt sein Gesicht, er hat etwas zu verbergen. Aber täusche ich mich, oder transportieren die ganze Darstellung und selbst der Kapuzenmantel nicht auch ein ganz klein wenig vom Gentleman-Faktor des maskierten Helden?

Die Keynote der Konferenz hält Misha Glenny. Sein Vortrag beruht auf seinem Buch Dark Market (die deutsche Version heißt „Cybercrime„). Er zeigt das Cover: Die Cyberkriminellen darauf sind leicht identifizierbar, denn sie tragen Masken. Der Kapuzenmann ist wieder da, die Anonymous-Maske fehlt nicht, und ein Tier-Avatar aus einer virtuellen Online-Welt ergänzt die Gruppe. Passt Anonymous hier so einfach herein?

Buch

Glenny berichtet, dass sich zur Zeit zum ersten Mal die traditionelle organisierte Kriminalität und die Cyberkriminellen einander annähern und dass es zu Kooperationen zwischen beiden Welten käme: Das ist kein guter Trend.

Er meint außerdem, viele Jugendliche, die Black-Hat-Hacker (also kriminelle Hacker) würden, litten an Kommunikationsstörungen aus dem Umfeldern des Autismus und Asperger-Syndroms und flüchteten sich deshalb in eine Welt, in der sie „technisch“ kommunizieren könnten.

Ob das stimmt? Gibt es einen Zusammenhang zum Masken-Thema? Könnte es auch sein, dass das Tragen von Masken ein wenig von der Komplexität zwischenmenschlicher Kommunikation entlastet?

Leichter folgen kann ich Glennys These, Normalbürger würden Cyberkriminalität erst dann verstehen, wenn man sie ihnen in Form nachvollziehbarer Geschichten mit Ankern in der realen Welt und menschlich spannenden Situationen und Figuren nahebringt. Die Geschichte Lisbeth Salanders aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie scheint ihm ein gelungenes Beispiel dafür – interessanterweise eine geniale Hackerin, die in ihrer Community unter Pseudonym kommuniziert und ebenfalls autistische Züge trägt. Und er zeigt in Nizza dem internationalen Publikum einen tatsächlich sehr wirkungsvollen und gut gemachten  deutschen EU-TV-Spot zum Thema.

Zur Erholung von all der Informationssicherheit zeigt mir meine Frau am Sonntag die Colline du Château, den Schlossberg, mit dem wunderschönen Blick auf Nizza herab. Wir schauen uns auch die Friedhöfe dort an – der katholische etwa gehört wohl wirklich zu den letzten Ruhestätten mit dem schönsten Ausblicken überhaupt.

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Dort finden wir auch Gaston Leroux, den Autor des „Phantoms der Oper“, von dem hier schon die Rede war. Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet sein Grab sich in einem Winkel am Eingang versteckt, wo es überhaupt keine Aussicht gibt?

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Zurück in der Stadt, fallen uns junge Leute mit Kostümen und leichter Horror-Maskierung auf – ach ja, es ist Halloween. Und genau dieses Fest begrüßt uns dann auch nach dem Rückflug in den kalten Norden am Abend an der Tür: Süßes oder Saures! Weil wir kein Foto von dem kleinen Mädchen gemacht haben, das da grandios als Hexe maskiert mit der großen Schwester im Schlepp an der Türe der Schwiegereltern stand und freudestrahlend nach Süßigkeiten Ausschau hielt, hier zum Abschluss ein Foto aus der Wikipedia.

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Endlich mal wieder ein wirklich fröhliches Maskenspiel…

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