Anonymität aktuell – das Recht, andere anzupöblen?

Wieder einmal gibt der Westfälische Anzeiger ein Thema her: „Bundesgerichtshof stärkt Anonymität im Netz“, heißt es am 2.7.2014 auf der Titelseite. Der Bundesgerichtshof hat gegen einen Arzt entschieden, der gegen „unrichtige Tatsachenbehauptungen“ auf einer Webseite vorgehen wollte, die anonyme Bewertungen von Medizinern erlaubt. Der Arzt wollte erreichen, dass die Plattformbetreiber die Identität des Autors aufdecken.

Die Meldung habe ich eingescannt und hier abgelegt.

Während diese Meldung – journalistisch korrekt – neutral formuliert ist, klingt der weiterführende Beitrag im Wirtschaftsteil ganz anders. Mit dem Titel „Im Internet weiter unerkannt pöbeln“ bezieht der Autor dort eindeutig Stellung gegen die Möglichkeit der anonymen Meinungsäußerung, zumindest gegen Wertungen auf entsprechenden Plattformen.

Auch diesen Beitrag habe ich bereitgestellt.

Dirk von Gehlen hat am 12. August auf den „jetzt“-Seiten der Süddeutschen Zeitung in seinem Beitrag „Hart aber fair – Debatten im Netz“ darauf hingewiesen, dass professionelle Journalisten häufig besondere Probleme mit anonymen Meinungsäußerungen auf Diskussionsseiten haben, speziell wenn diese stilistisch aus dem Ruder laufen oder nicht einem Mindestmaß an konstruktiver Kommunikationskultur und Political Correctness genügen. Er zeigt aber auch sehr schön, dass sich die ganze öffentliche Streitkultur – auch außerhalb des Internets – derzeit auf niedrigem Niveau bewegt und wie dies unter anderem auf das „Provokationsprinzip“ moderner Talkshows zurückgeht. Gehlen, dessen Text leider nicht mehr online abrufbar ist, fordert vor diesem Hintergrund eine neue Streitkultur.

Muss diese, wenn man die Chancen eines anomymen Meinungsaustausches erhalten will, nicht auch eine neue Anonymitätskultur sein? Vielleicht etwas weit hergeholt.

Interessant ist allerdings, dass andere Autoren genau in diesem Zusammenhang auf die Idee kommen, anonyme Beiträge zuzulassen, für den Fall völlig indiskutabler, diskriminierender oder straftbarer Äußerungen aber die Möglichkeit einer Demaskierung zu schaffen. Ein Beispiel dafür liefert Andreas Herberg in der Huffington Post, der in „Anonym auf Netzjagd“ ein „Mittelding“ zwischen anonymer Diskussion und Realnamenzwang befürwortet.

Noch ein Beitrag, der in diesen Zusammenhang passt: Der Fall Bruno Sagurna.

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