Anonymizer unter der Motorhaube

Die Autos der Zukunft sollen nicht nur selbst fahren können, sondern auch miteinander kommunizieren. Etwa, um dem nachfolgenden Gefährt auf der Autobahn rechtzeitig Bremssignale zu übermtteln und so die Gefahr von Auffahrunfällen zu reduzieren, gleich ob hinten ein Mensch oder ein Computer lenkt.

Wohin das vielleicht führt, lesen Sie hier: Klick.

Über diesen Blog-Beitrag habe ich mich so lange köstlich amüsiert, bis ein Kollege mit Erfahrung in der Auto-Netzwerkwelt einen Blick auf meinen Dienstwagen warf und ganz beiläufig bemerkte: „Ach, der könnte ja auch schon selber fahren, ist vielleicht nur noch nicht freigeschaltet. Ich sehe das an dem Auge da oben!“ Und er deutete auf einen unscheinbaren senkrechten Schlitz im Vorbau des Innenspiegels, von außen gesehen hinter der Windschutzscheibe.

Seitdem hege ich ein gewisses Misstrauen gegen mein Gefährt, schaue es möglichst nicht von vorn an, spreche sehr höflich mit dem Navi und leihe mir ansonsten, wenn irgend möglich, den alten Jeep meiner Frau. Der hat als Gipfel der Digitaltechnik eine elektonische Einspritzanlage eingebaut, deren rudimentärer Fehlerspeicher das absolut einzige kommunikationsfähige Gerät an Bord ist. Und selbst das lügt, haben uns schon zwei entnervte Automechaniker versichert. Gut so.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass die Designer und Sicherheitsspezialisten der künftigen Auto-zu-Auto-Kommunikation tatsächlich den Einbau von Anonymizern wie IBMs „Idemix“ planen. Stephan Holtwisch hatte diesen Aspekt erwähnt, als wir auf der Konferenz „Die Zukunft der informationellen Selbstbestimmung“ zu Einsatzchancen für Anonymizer in der modernen westlichen Kultur referierten. Offensichtlich macht man sich Sorgen, dass sich die zunehmend intelligenten Autos irgendwann auf der Straße wiedererkennen und dann Freund- und Feindschaften pflegen, sich quer durch Deutschland jagen, fremde Fahrdaten ohne Erlaubnis der Betroffenen der Polizei und den Versicherungen petzen oder – siehe oben – sich über ihre jeweiligen Besitzer lustig machen. Offiziell klingt das nüchterner: Man will gegenseitige Profilbildung bei der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation ausschließen, wenn diese zum unkontrollierbaren Informationsaustausch über die Benutzer und damit zu Datenschutzverletzungen führen könnte. Das ist ein Aspekt, mit dem es die Entwickler des „Internets der Dinge“ wohl noch häufiger zu tun bekommen werden.

Das Spannende daran: Hier, im Versteckten, wo sie sie gar nicht bemerkt, wird die breite Öffentlichkeit Anonymizer wohl eher akzeptieren als in Form persönlicher, bewusst eingesetzter Werkzeuge. Verkehrte Welt.

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