Überwacht vom Kühlschrank, Tablet und dem Handy-Wecker: Anonymizer und das Internet der Dinge

Bruce Schneier, US-Querdenker in Sachen Sicherheit, hat in seinem jüngsten Blog- und Newsletter-Post ein schönes Bild davon gemalt, wie internetverbundene Dinge ihren Anwender in Zukunft ausforschen und an die werbetreibende Industrie verkaufen könnten.

Da gibt es Startups, die wollen Werbeclips im Fernsehen mit versteckten Botschaften (Töne, Frequenzen, was auch immer…) ausstatten, damit man herausbekommt, ob sie den Zuschauer zu einer sofortigen Bestellung oder wenigstens Recherche auf dem Mobiltelefon, dem Notebook oder dem Tablet animieren. Und so weiter. Vielleicht macht ja auch noch mein Auto mit und sagt dem Ölkonzern, dass ich auf sein Werbe-BlaBla über exxxxtrrreeeem energiesparenden Sprit hin (preislich reduziert nur bis 23.45 Uhr!) sofort zur nächstgelegenen Vertragstankstelle aufbreche, wo ich dann auch das zwei Minuten vorher ebenfalls beworbene Sandwich kaufe (was an meiner Kreditkartenabrechnung festzustellen ist).

Nehmen wir einmal an, dieses Szenario geht am Ende doch so vielen Menschen auf die Nerven, dass sie zumindest von ihren technischen Sklaven in Form von Computern, Telefonen, Küchenutensilien, Gartengeräten, Toilettenartikeln und so weiter  verlangen, dass diese in Sachen Informationsweitergabe eine gewisse Zurückhaltung in Bezug auf ihr Frauchen oder Herrchen üben. Nehmen wir weiterhin an, dass dieser Wunsch sich stark genug äußert, um den einen oder anderen Anbieter ein gewisses Geschäftspotenzial in der Erfüllung dieses Traums wittern zu lassen.

Dann hätten wir tatsächlich einen „Business Case“ für Anonymizer, wie im Beitrag über die „Anonymisierungstools unter der Motorhaube“ schon angedeutet. Vieles, was die Werbeindustrie will, lässt sich nämlich auch ohne Preisgabe personenbezogener Daten eines Gerätenutzers erreichen.

Nehmen wir an, ich trudele als typischer Berater-Nomade spät nachmittags in einer Stadt ein, die ich eigentlich gar nicht besuchen wollte. Ich will dort Zwischenstopp machen, weil ich einfach müde bin, oder ich will zwecks Zielerfüllung doch noch einen zusätzlichen potenziellen Kunden heimzusuchen – es sind da ja morgen früh noch knapp zwei Stunden frei im Plan.

Ich will wissen, wo ich übernachten und essen und vielleicht noch etwas Unterhaltung genießen kann. Werbung nehme ich in Kauf, wenn sie mir den Abend angenehmer gestaltet, aber Infos über mich selbst mag ich nicht herumposaunen: Profil – „Nein danke!“

Nehmen wir nun an, mein Mobiltelefon ist datenschutzmäßig von mir vorkonfiguriert und postet nur Folgendes in die Gegend: Hier ist ein Mensch, der ist über 18 (Detail aus dem Personalausweis), Mitglied in Hotelkette A,B und C (mit Nachweis, aber ohne Namen), Vegetarier (das ist fiktiv), Allergiker gegen Nahrungsmittel X (ebenfalls fiktiv), aktiver deutscher Sportschütze (Ich habe Pfeil und Bogen im Auto und den passenden Ausweis dazu, Vorsicht!) und Mitglied im Verein zur Rettung der letzten anspruchsvollen Programmkinos (Ebenfalls mit Nachweis – Gibt es das vielleicht? Ich trete ein!).

Jetzt können mich Hotels (möglichst mit Recurve-optimiertem Bogenparcours), Restaurants, Bars und Filmtheater und obendrein auch Tankstellen, Drogerien, die Bahn und die Fluglinien gern umgarnen, und zwar bitte sofort, noch während ich in der automobilen oder echten Einflugsschneise bin. Allesamt kennen sie mich nicht persönlich, aber ihr Werben hätte durchaus Aussicht auf Erfolg. Perfekte Win-Win-Situation!

Ist das nicht ein wunderbarer Einsatzbereich für Identitäts-Verschleierungstools als Standard-Module in internetverbundenen Geräten?

Schleichwerbung: Ist ja nicht so, als hätte man über so etwas noch nie nachgedacht: Frei und kommerziell. Grundlagen zum „benutzerzentrierten Identitätsmanagement“ hat Werner Degenhardt aufgearbeitet.

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