You only live x+1 times: Masken in LinkedIn und Second Life

Als ich vor Jahren den ersten Beitrag zu diesem Blog schrieb, fragte ich: „Warum tragen Avatare Masken?

Ich hatte damals entdeckt, dass es in der virtuellen Welt „Second Life“ für Linden-Dollars eine komplette Bauta-und-Tabarro-Verkleidung zu kaufen gab.

Wozu? War nicht Second Life selbst schon eine Welt für Avatare? Dort liefen die unterschiedlichsten Verkörperungen von Anwendern herum, von Tiergestalten über typische Nerds bis zu Figuren, die sich einen bis ins Letzte durchgestylten Idealkörper zugelegt hatten.

Wozu sollte sich so ein zweites Ich dann noch eine Maske zulegen?

Antwort: Um mit der eigenen Identität noch besser spielen zu können. Es macht Spaß, sich gezielt zu maskieren und wieder zu demaskieren und vielleicht auszuprobieren, ob jemand anderer einen erkennt.

SL2

Avatare bekommen auf Dauer ja auch so etwas wie eine eigene Geschichte und feststehende Identitätsmerkmale, vor allem wenn sie sich wieder und wieder mit den gleichen Avataren treffen. „Man lebt nur zweimal“ – mit Bauta und Tabarro als generischer Verkleidung in einer virtuellen Welt kann man diese Grenze auf eine noch andere Weise  Weise durchbrechen, als wenn man „nur“ mit mehreren Avataren jongliert. So etwas ist vielleicht auch ein Akt der „informationellen Selbstbestimmung“.

Meine eigene virtuelle Bauta-und-Tabarro-Verkleidung hatte ich damals im Treppenhaus der ebenfalls virtuellen Second-Life-Repräsentanz der Bayerischen Staatsbibliothek fotografiert, sie fungiert noch immer als Titelbild des Blogs. Die Nachbildung der Bibliothek existierte übrigens nicht lange – und inzwischen habe ich Second Life auch schon ewig nicht mehr aufgesucht.

Dafür ist mir jetzt aufgefallen, dass auch in LinkedIn Maskenträger unterwegs sind. Damit meine ich nicht etwa die, die gar kein Bild von sich hochladen – weil sie gerade keines zu Hand haben, die existierenden nicht mögen oder einfach nicht wollen, dass Besucher ein Foto zu sehen bekommen.

Das sieht dann immer gleich aus, und zwar so:

ML5

Ich meine LinkedIn-Mitglieder, die sich bewusst als maskiert präsentieren.

Einige verwenden Avatare:

ML6

Einige geben sich sportlich:

ML3

Einige spielen mit skurrilen oder leicht beängstigenden Assoziationen:

ML2

Andere wählen Masken aus der Filmwelt, die mit besonderer Bedeutung aufgeladen sind:

ML1

Und noch andere spielen mit Photoshop-Effekten:

ML4

Die Beispiele sind willkürlich aus einer Liste vorgeschlagener Kontakte ausgewählt, die LinkedIn mir irgendwann zum Jahreswechsel 2015-2016 präsentiert hat.

Was sagt nun wieder das?

Ich konnte nicht feststellen, dass der Griff zum Maskenbild beispielweise mit eher restriktiv bestückten Profilen zusammenfiel.

Handelt es sich um ein Statement nach dem Motto: Ihr denkt jetzt, Ihr kennt mich, weil ich hier ein Profil eingestellt habe, aber da täuscht Ihr Euch – ich modelliere mein Profil, wie ich es für richtig halte?

Vielleicht frage ich irgendwann einmal bei dem einen oder anderen Maskierten nach.

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