Präsentation in Rom

Joerg Resch, Co-Founder and Managing Director, KuppingerCole, hat das venezianische Anonymitätsmodell am 11.5.2012 in einem Workshop in Rom vorgestellt, der sich mit Biometric Spoofing befasste. Er hat die venezianische Bauta als Beispiel für ein Trust Framework beschrieben, die das Prinzip der Minimal Disclosure durch Anonymität perfekt verfolgte habe, und die Idee dann mit aktuellen Trust-Framework-Konzepten verglichen.

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Präsentation an der Universität Siegen

Prof. Dr. Kesdogan vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen hatte mich für den 23.2.2012 zu einem Vortrag über das venezianische Anonymitätskonzept eingeladen. Der Vortrag fand statt – und vielleicht führt er zu einem offiziellen Forschungsprojekt. Mitarbeiter der Universität waren besonders darn interessiert, wie aus dem  Konzept Modelle für eine anonyme Partizipation an organisationsinternen und kommunalen Entscheidungsprozessen abzuleiten seien.

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Wie geht es weiter?

Der “Bauta”-Blog ist nach dem Hack 2011 wieder hergestellt, und ein paar neue Artikel  sind geschrieben. Zeit, einen kleinen Plan für die nächsten Vorhaben aufzustellen. Folgene Fragen möchte ich zuerst angehen:

  • Wie passt das Bauta-Anonymitätskonzept zu bekannten sozialwissenschaftlichen und philosophischen Konzepten des „privaten“ und „öffentlichen“ Lebens?
  • Wie unterscheiden sich Anonymitätskonzepte für geschlossene Internet-Communities von denen, die das ganze Internet im Blick haben? Wozu würde die Bauta passen?
  • Ist die Idee einer „Internet-Netiquette“ etwas, das sich mit dem „Gentleman-Faktor“ des Bauta-Gebrauchs vergleichen lässt?

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Pseudonymität oder Anonymität?

Bietet die Bauta als Maske nun eigentlich Pseudonymität oder Anonymität?

„Das Pseudonym (griechisch ψευδώνυμος, -ον, psevdónymos) ist ein fingierter Name eines (oder mehrerer) Urheber von Artefakten zur Verschleierung der Identität, der anstelle von den wirklichen (bürgerlichen oder Adels-) Namen verwendet wird“ (Wikipedia).

Anders als im Englischen wird der Begriff „Pseudonym“ offenbar deutlich auf den Bereich der künstlerischen Tätigkeit eingeengt.

„Anonymität ist der Zustand, wenn eine Person, eine Gruppe, eine Institution oder eine agierenden Struktur nicht identifiziert werden kann“ (Wikipedia).

Letzteres passt. Helfen die Begriffe „Anonymisierung“ und „Pseudonymisierung“ aus dem Sektor der IT-gestützten Datenverarbeitung vielleicht noch ein wenig weiter?

„Die Anonymisierung ist das Verändern personenbezogener Daten derart, dass diese Daten nicht mehr einer Person zugeordnet werden können. Bei der Pseudonymisierung wird der Name oder ein anderes Identifikationsmerkmal durch ein Pseudonym (zumeist eine mehrstellige Buchstaben- oder Zahlenkombination, auch Code genannt) ersetzt, um die Identifizierung des Betroffenen auszuschließen oder wesentlich zu erschweren“ (Wikipedia).

Das ist wahrscheinlich zu spezifisch. Ich nenne die Bauta erst einmal weiterhin ein „Anonymisierungsmittel“, weil ihr Träger keinen anderen individuellen Namen annimmt, sondern in eine generische und vordefinierte Rolle schlüpft.

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Neue Quelle: Jillian C. York

Jillian C. York ist „Director of International Freedom of Expression“ bei der US-Organisation „Electronic Frontier Foundation„. Einige ihrer Artikel und viele der Interviews, die sie gegeben hat, erlauben exzellente Einblicke in die Vorteile und Probleme von Anonymität und Pseudonymität im Internet und in den geschlossenen Plattformen der sozialen Netzwerke. „A case for pseudonyms“ etwa erläutert, weil die Möglichkeit, ein Pseudonym zu benutzen, manchmal Leben rettet und oft ein wichtiger Faktor ist, der die Redefreiheit sichert. „Lieber anonym als verfolgt“ stellt größtenteils eine Übersetzung dieses Beitrags dar, die in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht wurde.  Im „San Francisco Organization Fights For Online Anonymity„, einer kleinen Reportage von CBS San Francisco, fasst Jillian C. York kurz zusammen, warum sie von der Abschaffung der Anwenderpseudonyme bei Google+ und Facebook nichts hält.

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Gedanken über Privatsphäre und Datenschutz

in seinem Blog www.metaphorous.com hat Wilhelm Greiner 2010 ein paar interessante Gedanken über Privatsphäre und Datenschutz im Zeitalter der sozialen Medien veröffentlicht. Später verschwand der Blog aus dem Web, aber das Internet-Archiv bewahrt ihn in der Wayback-Machine auf. Der Eintrag findet sich hier. Aus Wilhelms Sicht gibt es für eine Person, die datenschutzbewusst agiert, vier mögliche Haltungen zu den modernen sozialen Medien:

  1. „Lifecasting“ – ich, mein Leben und alles damit Verbundene soll online sein. Selbstmarketing ist wichtiger als die Privatsphäre.
  2. Völlige Ablehnung – über mich soll online niemals etwas zu finden sein. Privatsphäre und Datenschutz gehen mir über alles.
  3. Genaue Kontrolle bis ins Detail  – jedes Bit, das etwas über mich aussagt, unterwerfe ich einer Risikoabwägung, bevor ich es im Internet veröffentliche.
  4. Mein Social-Media-Stream als permanente Bewerbung – wann immer ein potenzieller Arbeitgeber Informationen über mich findet, soll er den richtigen Eindruck bekommen.
  5. Rollenspiel oder “Alias”-Modus – ich stelle sicher, dass mein Online-Leben so wenig wie möglich mit meinem realen Leben übereinstimmt.

Ich bin mit diesen Kategorien einverstanden. Vor allem, wenn ich in Betracht ziehe, dass Kombinationen aus den Haltungen möglich sind. Wilhelm erwähnt bereits, dass Haltung 5 mit den Haltungen 3 und 4 kombiniert werden kann, aber meiner Meinung nach passt sie auch zu Haltung 2. So kann es sein, dass Web-Bürger, die anonym an Imageboards wie 4chan oder krautchan teilnehmen, Bewohner von virtuellen Welten, oder Spieler von Multi-Player Online-Games niemals irgendwelche Informationen über ihre realen Identitäten auf Web-2.0-Plattformen wie LinkedIn, Xing oder Facebook preisgeben. Hier gibt es durchaus Berührungspunkte zum Umgang der alten Venezianer mit ihrem realen Leben. In ihrer kleinen, aber lebhaften und multikulturellen Stadt im Meer, im ständigen Umgang mit Handelsleuten und Piraten aus jedem Winkel der noch immer nicht vollständig erforschten Welt, entwickelten sie das Konzept eines anonymen Lebens neben der öffentlichen Existenz. Wenn sie die Bauta trugen, spielten sie eine Rolle, die allerdings vordefiniert und generisch war. Offenbar funktionierte das sehr gut. Jeder, der sich in der Bauta-Verkleidung zeigte, wurde als Mitbürger akzeptiert und mit “Signora Maschera” angeredet. Vielleicht ergibt dies eine sechste Haltung zum Thema Privatsphäre, über die man nachdenken muss. Übrigens heißt auf Krautchan jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin „Bernd“. Auch das ist spannend, wenn man an „Signora Maschera“ denkt.

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Fragen von Teilnehmern der EIC 2010

Während der European Identity Conference 2010 in München präsentierte ich ein paar erste Gedanken zu diesem Projekt. Der Vortrag brachte eine lebhafte Diskussion in Gang. Einige der Fragen der Teilnehmer werden mit Sicherheit für die weiteren Überlegungen zum Thema von Interesse sein:

  • Venedig war eine vergleichsweise kleine Stadt. Funktioniert ein Anonymitätskonzept wie das, welches sich mit der Bauta verbindet, vielleicht nur in einem (nahezu) geschlossenen System wie dem der venezianischen Gesellschaft?  Ist das Internet eher ein geschlossenes oder ein offenes System? Vielleicht hat das Bauta-Konzept ja mehr mit den Anonymitäts- und Pseudonymitätskonzepten von Plattformen wie den Imageboards im Web zu tun als mit dem Internet insgesamt.
  • War die Bauta wirklich ein gutes Mittel, um Anonymität herzustellen? Immerhin konnte der Träger damit schwerlich Größe, Gewicht und Stimme verstecken.
  • Wenn irgendetwas schief ging, konnte man einen Maskenträger leicht demaskieren. Ist diese Maßnahme bei einem Internet-Anwender nicht ungleich schwieriger durchzuführen?
  • Um ein Anonymisierungsmittel wie die Bauta zu entwickeln, müssen die Venezianer die Notwendigkeit dazu verspürt haben. Wenn man einmal annimmt, dass sich die meisten Internet-User im Web heute nach wie vor mehr oder weniger anonym fühlen, könnte dies nicht der Grund für das aktuell allgemein geringe Interesse an Internet-Anonymisierungsverfahren sein?
  • Die Bauta gab ihrem Träger die Identität eines echten venezianischen Bürgers, ohne allzu viele persönliche Details zu offenbaren. Könnte man den neuen deutschen digitalen Personalausweis und vergleichbare Identifizierungsmittel auf diese Weise benutzen?
  • Wenn notwendig, konnte ein Venezianer gezielt immer ein bisschen mehr von seiner Identität offenbaren, indem er Teile der Maske abnahm. Lässt sich auch das in die Internet-Umgebung übertragen?
  • Kann das reale Umfeld Venedigs wirklich mit einem virtuellen wie dem Internet verglichen werden?

Viele wertvolle Fragen – besten Dank dafür an die Teilnehmer der Konferenz!

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