Privacy geht auch anders – Gedankenaustausch mit Christian Heller

Christian Hellers Buch „Post Privacy. Prima leben ohne Privatsphäre“ ist für jemanden, der die eigene Privatsphäre schätzt und Überwachung fürchtet, zunächst einmal harter Tobak: Heller befürwortet eine transparente Welt, in der jeder sein Leben komplett offenlegt. Menschen könnten so am besten voneinander lernen, schädliche soziale Entwicklungen vermeiden – und selbst Personen mit den wildesten Interessen und Lebensentwürfen fänden dank Transparenz auf jeden Fall irgendwo Gleichgesinnte und könnten so sozialen Repressionen entgehen.

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Liest man den Text, spürt man einen Seite für Seite wachsenden Druck, nicht so unsozial zu sein, irgendetwas verbergen zu wollen. „Privacy“ steht in Hellers Kosmos für Unvollkommenheit: Die Menschheit soll im Idealfall so tolerant sein, dass niemand etwas verbergen muss. Den Kampf um Privacy im Internet hält Heller bereits weitgehend für verloren.

„Datenschutz“ und speziell das Konzept der „Privatsphäre“ im uns geläufigen Sinne sieht Heller auch kritisch – unter anderem  als potenzielle Schutzfunktion der existierenden Machthaber und Machtstrukturen. Er verweist außerdem auf negative Seiten traditioneller Privatsphären-Konzepte, etwa den fragwürdigen Schutz häuslicher Gewalt, der sich lange Zeit damit verband.

Dieser Versuch einer Zusammenfassung ist allerdings nur eine extrem verkürzte Darstellung des Werks. Das Buch ist definitiv lesenswert, auch wenn man dem Autor generell nicht zustimmt oder speziell nicht der Meinung ist, dass die schwarzen Seiten des Sich-Verbergens den Privatsphäre-Gedanken so weit diskreditieren.

Es gibt zwei Formen von „Privacy“, die sich Heller auch für die Zukunft als sinnvoll vorstellen kann:

  • Eine Art freie Übereinkunft, auch ohne Schutzmaßnahmen bestimmte Bereiche des Lebens einfach dem Einzelnen zu überlassen, sie nicht weiter erforschen zu wollen und sie auch nicht zu bewerten und
  • eine temporäre Privacy nach der Art, wie man im Web einen Anonymizer benutzt.

Dazu hatten wir einen kurzen Gedankenaustausch per E-Mail, den ich hier wiedergeben darf:

JW:

Hallo Herr Heller,

würde gern etwas mit Ihnen diskutieren. Ich lese gerade „Post Privacy“ (spät, aber  gründlich), bin noch nicht durch, aber beziehe Ihre spannenden Ideen auf ein altes  europäisches Anonymitätskonzept, dem ich in meiner Freizeit auf den Grund zu gehen  versuche.

Link dazu folgt.

Ich teile Ihre Ansicht, dass die typisch deutsche Datenschutzidee historisch gewachsen  ist und wahrscheinlich gar nicht mehr so recht auf die moderne Internetwelt passt.

Ich kann auch nachvollziehen und würde jederzeit unterschreiben, dass die  „extrovertierte“ Version von informationeller Selbstbestimmung nicht nur „Pfui bah“ ist,  sondern ihre Vorteile hat, akzeptiert gehört und als Modell bedenkenswert ist.

Da ist nur ein Problem, das mich beschäftigt: Ich glaube, als Individuum muss man hin und  wieder die Möglichkeit haben, „die Rolladen zuzuziehen“ und eine Weile mit sich oder  seinen engsten Freunden allein zu sein („The right to be left alone“). Sei es, um mit  sich selber ins Reine zu kommen und sich selber im einen oder anderen Lebensentwurf  auszuprobieren, ohne dass irgendwer von außen seinen Senf dazu gibt. Sei es, um einfach  eine Weile unbeobachtet und vor allem unbewertet ruhen und sich von was auch immer erholen zu können. Genau das ist für mich „Privacy“.

Deshalb beschäftigt mich das alte, dummerweise vergessene Modell der venezianischen  Anonymitätskultur. Was ich dazu nach und nach ausgrabe, finden Sie unter  http://www.licence-to-mask.com. Der englische Teil hinkt dem deutschen leider derzeit mächtig  hinterher.

Die Venezianer teilten unsere aktuelle Vorstellung von einerseits privatem, andererseits öffentlichem Leben gar nicht. In beiden Sphären zogen sie sich temporär eine genormte  Gesellschaftsmaske über, wenn sie meinten, für eine bestimmte Aktion anonym zu sein sei  einfach besser – beim Meinungsaustausch im Senat, bei ersten Verhandlungen mit  unbekannten Händlern, im Casino, im Hafen oder beim Besuch von Liebhaber oder  Liebhaberin. Das alte Venedig war ein Denunzianten- und Schnüffelstaat erster Güte mit  gefürchteter Staatinquisition, aber die Masken-Zuflucht hatten zumindest die  Stadtadeligen (und jeder, der so tat, als ob) über etliche Jahrhunderte hinweg immer. Das  Ganze funktionierte bis zum Einmarsch der Österreicher so gut, dass sich die Venezianer  am Ende die Maske nur noch an den Hutrand klemmten oder durch eine weiße Spielkarte  ersetzten – als Signal, zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht als „Person“ gelten zu wollen,  sondern als „Anonymous“, dem man sein Tun und Lassen bitte nicht zurechne – solange er  bestimmte Grenzen (Gewalt) nicht überschritt.

Wäre das ein „Privacy“-Modell, dass zur Internetgesellschaft passt? The right to be left  alone, wenn die ganze Außenwelt einfach mal zuviel wird? Wäre mir sehr sympathisch…

Gruss,
Johannes Wiele

Heller:

Hmm, finde vor allem den letzten Punkt interessant, dass die Anonymität zum Ende hin bereits durch die Hutkarte funktionierte. Das hieße, so ich das richtig verstehe, dass die Identität des „Anonymisierten“ nicht streng geheim war (im Sinne einer Sache, die Unautorisierte schlicht nicht wissen /konnten/), aber man sich sozial darauf einigte, sie zu ignorieren.

Ich glaube, Privatheit auf Grundlage faktischer Geheimhaltung ist ein Auslaufmodell: Es lässt sich immer weniger verhindern, dass eine bestimmte Information nach außen hin verfügbar wird. Privatheit auf Grundlage sozialer Konvention im Sinne der Hutkarte kann ich mir dagegen als weiterhin machbar vorstellen: Wir könnten wissen, was Andere Leute in ihrem Schlafzimmer tun, wir haben dazu die technischen Mittel, und vielleicht sind Daten, die es umschreiben, sogar in irgendwelchen Datenbanken gespeichert und fließen in irgendwelche statistischen Kalkulationen mit ein. Aber vielleicht halten wir es trotzdem für unsittlich, diesen Daten hinterher zu stöbern, und vor allem, für die Betroffenen spürbar und sie bedrängend in ihr Schlafzimmer hinein zu lugen. Wie vermutlich auch der Hutkartenträger kann ich mir nicht hundertprozentig sicher sein, dass nicht doch irgendwer gegen diese soziale Konvention verstößt und mir bis in mein Schlafzimmer nachspioniert. Aber soweit diese soziale Konvention stark ist, kann ich damit rechnen, dass derjenige, der gegen sie verstößt, sozial abgestraft wird, so er dabei ertappt wird.

Das greift über in ein kurioses Argument, das David Brin in seinem Buch zur „Transparent Society“ entwürft: Die totale Transparenz könnte Privatsphäre vielleicht sogar hier und da stärken, weil auch jeder Akt des Spionierens, Überwachens und Spannens sichtbar gemacht und dadurch leichter sozialer Kontrolle unterworfen werden könnte. Bliebe eine starke soziale Konvention bestehen, dass diese oder jene Form des Eindringens in die Privatsphäre unduldbar sei, ließe sich diese Konvention dann umso stärker durchsetzen, wo jeder Privatsphären-Eindringling bei seiner Untat sofort ertappt würde.

Anekdotisch spricht dafür die gar nicht so neue Erfahrung, dass es „private“ Bereiche des Lebens gibt, die keineswegs im Verborgenen stattfinden, die in bestimmten öffentlichen Sphären zum Thema zu machen man sich aber dennoch verbittet. Wo und mit wem ich nach Dienstschluss mein Bier trinke, geht meinen Arbeitgeber nichts an, da hat er nicht reinzureden; nun kann es dennoch geschehen, dass er durch Zufall davon erfährt – das aber sollte kein Problem sein, er hat mir dennoch nicht im beruflichen Kontext daraus einen Strick zu drehen oder es mir zu verbieten oder mies zu machen. Dieses „Gewähren“ von Privatsphäre, ohne dass sie des Schutzes der Verborgenheit bedarf, könnte vielleicht die eine oder andere bisherige Privatsphäre auf Grundlage von Verborgenheit ersetzen.

JW:

Die Antwort gefällt mir.

Sie passt auch gut zu den Venezianern. Ihr Anonymitätsmodell war ja nicht verordnet, sondern ist aus spielerischen Umgangsformen miteinander entstanden und dann soziale Konvention geworden. Später fand man das Ganze eben auch praktisch für eine Art Vorgängerform der „freien und geheimen Wahlen“ im Senat, den maskierten Gedankenaustausch.

Und gerade da, wo es formal besonders geregelt zuging, passt Ihr Argument noch einmal. Als ich meiner Frau zum ersten Mal vom „anonymen“ Diskutieren und den Fistelstimmen bei den politischen Diskussionen erzählte, hat sie mich prompt ausgelacht: „Das glaubst Du doch selber nicht, dass die nicht wenigstens den einen oder anderen erkennen konnten. Da gab es doch auch welche, die besonders klein, dick, dünn oder groß waren, hinkten oder ihre Marotten hatten!“ Stimmt ja, so „wasserdicht“ wie es das deutsche Datenschutzgesetz sein will, konnte die venezianische Methode gar nicht sein. Eher gab es viele Grauzonen, immer neue Mixturen aus halbgarer Anonymität und halbsicherem gegenseitigem Erkennen, aber mit offenbar meistens funktionierender gegenseitiger Achtung.

Mir gehen zwei weitere Dinge nicht aus dem Kopf:

Spielen mit Anonymität, Pseudonymität oder Zweit-Identitäten werden Menschen bestimmt immer, wie damals erst beim Karneval und der Commedia dell‘ Arte, heute in den Imageboards, in virtuellen Spielwelten und so weiter, selbst wenn Menschen ihr Leben sonst sehr offen führen. Und: Es gibt sicher auch immer den einen oder anderen Lebensstatus, in dem sich ein Mensch so verletzlich fühlt, dass ihm der bloße Blick von außen (vielleicht temporär) einfach zu viel wird. Hoffentlich gibt es dann eine Konvention, ihn mit sich oder ein paar Wenigen eben doch allein zu lassen.

Die Argumentation von Brin schaue ich mir jetzt auf jeden Fall einmal genauer an.

Noch zwei ganz kurze Fragen.

Die erste ist praktischer Natur: Darf ich Ihre Antwort auf den Licence-to-Mask-Blog stellen? Nicht lachen.

Die zweite: Als immerhin eine Möglichkeit, eine Form von „Privacy“ auch in einer Post-Privacy Welt zu erhalten, sehen Sie eine sehr individualistische temporäre Selbstverbergung etwa durch Anonymizer an. Diese hätte dann nicht die historischen Implikationen wie unser Datenschutz, der immer noch „Sphären“ wie überholte patriarchalische (und matriarchalische, ich komme aus dem Münsterland) Familienstrukturen mittransportiert. Freut mich natürlich, weil es dem venezianischen Modell mit seiner Maskierung quer zu den Gesellschaftssphären recht nahekommt. Würden Sie auf dieser Basis denn zustimmen, dass es vielleicht doch positiv ist, wenn der Einzelne wenigstens temporär die Vorhänge zuziehen kann – und sei es, um in Ruhe einen Gedanken auszubrüten, den er selber noch nicht für so fertig hält, dass er ihn fremder Kritik aussetzen will? Selbst wenn das Gefühl, ein Individuum zu sein, ja trügt, sind Einzelne auch in ihrem Weltbild ja so etwas wie potenziell einzigartige Wirkungskonstellationen aus sozialen und anderen Einflüssen, bei denen es sich lohnen könnte, auf ihre eigene Interpretation der Dinge auch einmal ein wenig zu warten. Hirn als Hardware dazu läuft ja leider eher langsam.

Heller:

Nur ganz kurz, weil ich grad im größtenteils internetfreien Urlaub bin:

Ja, Antworten dürfen gern veröffentlicht werden.

„dass es vielleicht doch positiv ist“, klar, ich will gar nicht in Abrede stellen, dass das (mindestens: auch) Vorteile haben kann, wenn es denn gelingt.

(Ende des Dialogs)

Hellers Vorstelllugen von einer möglichen „Privacy im Transparenzzeitalter“ kommen dem venezianischen Maskenwesen wirklich erstaunlich nahe. Im Nachhinien frage ich mich allerdings, ob zumindest in unserer Gesellschaft schon jeder „digital“ souverän und stark genug ist und andererseits die Geselllschaft weit genug ist, dass man auf den Schutz der Privatsphäre durch den Staat verzeichten könnte. Paradebeispiel ist für mich der Mensch im Krankenhaus, der sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung temporär einfach nicht ausüben kann.

Trotzdem. Vielleicht ist es an der Zeit, individuellere Formen von Privacy unter die Lupe zu nehmen. Das viel diskutierte Recht etwa, sich anonym zu informieren und Transaktionen so weit wie möglich ohne Freigabe persönlicher Daten durchzuführen, wird zurzeit nicht sonderlich hoch gehalten. Warum eigentlich?

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2 Antworten zu “Privacy geht auch anders – Gedankenaustausch mit Christian Heller

  1. Da ist wohl mit einigen Vorurteilen und Irrtümern aufzuräumen: „Das alte Venedig war ein Denunzianten- und Schnüffelstaat erster Güte mit gefürchteter Staatinquisition, aber die Masken-Zuflucht hatten zumindest die Stadtadeligen (und jeder, der so tat, als ob) über etliche Jahrhunderte hinweg immer.“ Diese meinung ist weit verbreitet, gleichwohl falsch! Sie hat ihre Quellen in der französischen und österreichischen Anti-venedig-propaganda, die verstärkt im 18. jahrhundert einsetzt, massiv ist im 19. Jahrhundert, um die Okkupation Venedigs und ventiens durch Franzosen und Österreicher zu rechtfertigen. Siehe dazu z.B. meine rezensionen zu Darus Geschichte Venedigs (http://www.amazon.de/Geschichte-Republik-Venedig-Volume-Edition/dp/5875517603/ref=cm_cr-mr-title), zu Siebenkees Geschichte der venezianischen Staatsinquisition (http://www.amazon.de/Versuch-Einer-Geschichte-Venetianischen-Staatsinquisition/dp/1120050634/ref=cm_cr-mr-title), zu Coopers „Bravo“ (http://www.amazon.de/Der-Bravo-Eine-venezianische-Geschichte/dp/3862673219/ref=cm_cr-mr-title) etc., etc.
    Auch das, und vieles weitere, was hier ausgeführt wird, sind Äueßerungen ohne historische Kenntnisse. „Sie (die Maske) passt auch gut zu den Venezianern. Ihr Anonymitätsmodell war ja nicht verordnet, sondern ist aus spielerischen Umgangsformen miteinander entstanden und dann soziale Konvention geworden. Später fand man das Ganze eben auch praktisch für eine Art Vorgängerform der “freien und geheimen Wahlen” im Senat, den maskierten Gedankenaustausch.

    „Der Brauch, Masken zu tragen, um bei Vergnügungen oder anderen unorthodoxen Verrichtungen nicht erkannt zu werden, geht – wie der Karneval selbst – bis auf die Antike zurück. Man meinte, wenn man sich verkleidet, könnten einen die bösen Geister nicht erkennen. Auch schwarze Bekleidung geht wohl darauf zurück: So können die Geister in der Nacht einen ja nicht sehen.“ In Venedig war Maskengebrauch sehr wohl reglementiert: „Die Maske, speziell die bauta, hatte sich im 17./18. Jahrhundert in Venedig allgemein durchgesetzt und wurde nicht nur zum Karneval getragen… So war das Maskentragen ein allgemeines. Hinzu kam, daß es den Venezianischen Nobili [Das waren keine Adligen, sondern Kaufleute!] unter Androhung strengster Strafen verboten war, privat, außerhalb von offiziellen Anlässen und allein mit ausländischen Staatsvertre-tern zu verkehren. Da Begegnungen mit Ausländern bei Festen, Theaterveranstal-tungen und ähnlichen Anlässen nicht zu vermeiden waren, behalf man sich – zumal man ja nie wissen konnte, wer da ein „Staatsvertreter“ war – mit Masken.“ (L. W. Pawliczak: Was man so alles nicht von Venedig weiß. Norderstädt 2011 S. 199f)

    • Interessante Hinweise!
      Als Politikwissenschaftler, aber Nichthistoriker tue ich mich natürlich tatsächlich schwer, unterschiedliche Historiker-Meinungen über Venedig zu bewerten – und nicht zuletzt deshalb erscheinen diese Beiträge in Form eines offenen Blogs, also sozusagen als Werkstatt-Einblick mit Einladung zur Diskussion, und nicht in der Rubrik „Fertiggestelltes“.
      Dass das gängige Bild der venezianischen Staatsinquisition falsch sein könnte, würde mich nicht unbedingt überraschen, denn auch das venezianische Maskentragen an sich wurde ja über Jahrhunderte hinweg als bloßes Mittel zur Verheimlichung sexueller Auisschweifungen diskreditiert – mit den entsprechenden Folgen für Web- und Buchquellen zum Thema (https://licencetomaskde.wordpress.com/2012/01/05/hedonistisch-unmoralisch-und-gefahrlich/). Ein gewisses Unbehagen angesichts der unübersichtlichen Forschungslage in Sachen Inquisition hatte ich auch schon einmal formuliert (https://licencetomaskde.wordpress.com/2013/09/17/anonymitat-und-denunziation/), beim Dialog mit Heller allerdings zugegebenermaßen ignoriert.
      Der maskierte Gedankenaustausch in den venezianischen Staatsínstitutionen ist bei Toscani (https://licencetomaskde.wordpress.com/quellen/) allerdings, soweit ich es beurteilen kann, akribisch und gut belegt, und dies gilt auch für den politischen Sinn des Maskengebrauchs in den Gremien (die Aussage des einzelnen sollte anonymisiert für sich gelten und nicht durch den Status des individuellen Sprechers an Gewicht gewinnen oder verlieren). Und dies wiederum passt dann zur in Venedig durchaus gepflegten Tendenz, machtbegrenzende politische Mittel einzusetzen, etwa was die Befugnisse des Dogen betrifft.
      Noch etwas: Nach der Lektüre Toscanis (es wäre wirklich an der Zeit, seine Studie wieder ans Tageslicht zu holen) und Zorzis erscheint es mir nach wie vor plausibler, dass die Venezianer bei ihrer Maskenpraxis auf die elaborierte und artifizielle Kunst- und Spielform der Commedia dell’Arte zurückgingen, als dass sie direkt an die Antike oder gar noch frühere Traditionen anknüpften. Die Reglementierung über Maskengesetze und die damit verbundene, gut dokumentierte Diskussion über Kriminalitätsfragen wurden hier ja schon thematisiert.
      Was mich nun aber am meisten beschäftigt, ist die Bewertung der Inquisition, denn je nach dem, wie diese von den Venezianern empfunden wurde, kann das Anonymisierungsmittel Bauta und Tabarro als Gegengewicht verstanden warden – oder eben nicht. Es steht also ein Studium der vom Kommentator genannten Schriften an. Und welche Rolle spielten dann die „Löwenmäuler“?

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